Die Unruhe

Meine Eltern sind vor Krieg und Kommunismus geflohen. Ihre Geschichte war für mich lange nur ein Hintergrundrauschen – etwas, das ich zwar wusste, aber nicht wirklich verstand. Erst später wurde mir klar, wie sehr ihre Erfahrungen mein eigenes Denken geprägt haben. Sie haben nie viel darüber gesprochen, aber ich konnte spüren, was sie durchgemacht hatten: Einschränkungen, Angst und der Verlust von Selbstbestimmung. Es war keine Theorie für sie, sondern harte Realität.

Durch sie habe ich früh gelernt, dass Wissen nicht selbstverständlich ist. Es kann kontrolliert, begrenzt oder sogar ganz entzogen werden. In ihrer Welt war Wissen Macht – und wer keine Fragen stellen durfte, blieb abhängig. Dieses Verständnis hat mich begleitet, lange bevor ich es richtig in Worte fassen konnte.

Für mich war Wissen deshalb immer mehr als nur Ausbildung oder berufliche Qualifikation. Es war Freiheit. Die Freiheit, Dinge zu hinterfragen und Entscheidungen selbst zu treffen. Die Freiheit, sich eine eigene Meinung zu bilden, ohne Angst haben zu müssen. Aber ich habe auch verstanden, dass diese Freiheit nicht einfach da ist – sie muss geschützt und genutzt werden. Meine Eltern haben erlebt, wie schnell sie verloren gehen kann, und das hat mich geprägt.

Nach meiner Informatiklehre hätte ich eigentlich zufrieden sein sollen. Ich hatte einen soliden Beruf, ein geregeltes Einkommen und klare Perspektiven. Von aussen sah alles gut aus, aber innerlich fühlte ich mich nicht angekommen. Da war eine Unruhe in mir, die ich nicht ignorieren konnte.

Ich fing an, konsequent Geld zu sparen. Nicht, weil ich ein bestimmtes Ziel hatte, sondern weil ich das Gefühl brauchte, vorbereitet zu sein. Sparen war für mich Sicherheit – eine Art Kontrolle über das, was kommen könnte. Es war keine Einschränkung, sondern eine Möglichkeit, frei zu bleiben.

Parallel dazu entschied ich mich für ein Studium, obwohl ich weiterhin Vollzeit arbeitete. Das war keine leichte Zeit. Mein Alltag war durchgetaktet: Arbeit, Studium, Schlaf – Freizeit gab es kaum. Aber ich wusste, dass ich das durchziehen wollte. Es ging mir nicht darum, einfach schneller voranzukommen. Ich wollte tiefer gehen, mehr verstehen, besser vorbereitet sein. Informatik hat mir Struktur gegeben, aber ich suchte nach Perspektive.

Während dieser Zeit habe ich angefangen, über Geld nachzudenken. Was bedeutet finanzielle Sicherheit wirklich? Reicht es, einfach nur zu sparen? Was passiert mit Geld, das man beiseitelegt, ohne es zu nutzen? Diese Fragen haben mich beschäftigt – nicht nur in Vorlesungen oder bei der Arbeit, sondern auch spät abends, wenn ich alleine war. Ich hatte keine klaren Antworten, aber die Fragen blieben.

Diese innere Unruhe war nicht unbedingt angenehm, aber sie hat mich angetrieben. Sie hat mich dazu gebracht, genauer hinzusehen – auf meine Entscheidungen, meine Gewohnheiten und darauf, wie ich mit Geld umgehe. Ohne es zu merken, habe ich in dieser Zeit die Grundlage für alles gelegt, was später kommen sollte.